Brennessel
(Urtica dioica L.)
Synonyme:
Donnernettl, Große Neddeln, Haarnessel, Hanfnessel, Tissel, Zingel
Familie:
Brennesselgewächse (Urticaeae)
Namensentstehung:
Große Brennessel = Urtica dioica
Kleine Brennessel = Urtica urens
Urtica ist lateinisch und bedeutet "Brennessel", was das Gefühl
vom Hautkontakt mit dieser Pflanze beschreibt.
Beschreibung:
Brennesseln zählen zu bekanntesten "Unkräutern" und die meisten Menschen
sehen sie sicher lieber von fern als von nah, da sich so ziemlich jeder
schon mal an ihr "verbrannt" hat. Die glasartigen Brennhaare brechen
bei leichter Berührung ab und spritzen Toxalbumine und Histamine unter
die Haut. Darum ist es nicht verwunderlich, dass die Brennessel bei
den Wenigsten zur Lieblingspflanze zählt. Ein gutes Gegenmittel
für das Verbrennen ist der Ampfer, der meist in der Nähe der Nesseln
wächst. Man zerdrückt ein paar Blätter davon und reibt die betroffenen
Stellen mit dem Saft ein. Noch besser soll allerdings Springkraut/Impatiens
(egal welcher Art) helfen; dessen Säfte sollen dem Histamin entgegen
wirken.
Unterscheidung grosse und kleine Brennessel:
Grosse Brennessel:
Die Große Brennessel wird 60 cm bis 150 cm hoch und ist zweihäusig,
d.h. eine Pflanze besitzt nur männliche oder nur weibliche Blüten.
Kleine Brennessel:
Die kleine Brennessel wird nur 15 cm bis 45 cm hoch und jede Pflanze
hat sowohl weibliche als auch männliche Blüten. Schon die ganz kleinen
Pflanzen haben einen sichtbaren Blütenansatz, die Blütenrispen
sind kleiner als der Blattstiel.
Auf den Bildern oben rechts ist also die obere Brennessel
die grosse Brennessel und das 2. Bild zeigt die Kleine.
Verwechslung:
In nicht blühendem Zustand mit der weißen
Taubnessel
Blütezeit:
Juni - Oktober
Vorkommen:
Flußufer, Gärten, Schuttplätze, Wegränder.
Verbreitung:
Bis auf das tropische und südliche Afrika oder in den Polargebieten
ist diese Pflanze weltweit verbreitet.
Sammelgut:
gesammelt wird das ganze Kraut. incl. Wurzel
Sammelzeit:
Mai / Juni.
Sammelvorschrift:
Gesammelt wird während der Blütezeit. Es werden bis zu 20
cm von der Spitze der großen oder kleinen Brennessel mit der Schere
agbeschnitten und getrocknet. Die Droge ist geruchlos und schmeckt etwas
bitter.
Zu den Hinweisen zum Sammeln
und Trocknen
von Kräutern
Inhaltsstoffe:
Kraut: Mineralien und Spurenelemente, Flavonoide (bis 0,6 %),
u.a. Quercetin-Glykoside, bes. Rutin, sowie Kämpferolglykoside, wie
Astragalin; organische Säuren, u.a. Kaffeesäure und Kaffeoyläpfelsäure,
ferner Scopoletin, Acetylcholin, Histamin und Serotonin in den Brennhaaren;
äther. Öl, Vitamine, u.a. Vitamin C, B-Komplex, K; Carotinoide, Steroide,
Triterpene, Proteine. Bis 20 % Gehalt an Mineralstoffen mit Kieselsäure,
Kalium und Nitrat (ca. 1,5 % in Handelssorten).
Wurzel: Steroide, u.a. b-Sitosterol und Glykoside; Oleanolsäure,
Homovanillylalkohol und sein 4'-O-b-D-Glucosid, Lignane; Scopoletin,
Mineralien, Lectine, Polysaccharide.
Samen: Zahlreiche Mineralsalze, Carotin ( Provitamin A ) und Vitamin
C., hoher Chlorophyll und Eisengehalt.
Anwendung:
harntreibend, leicht abführend,
blutzuckersenkend, entzündungshemmend,
Nieren- Harnwegsentzündung,
Leber- und Gallenleiden,
Haarwuchsfördernd, Düngung
von Pflanzen und Kompost, gutes Mulchmaterial
für alle Gartenbeete, gegen Blattläuse
im Anfangsstadium
Allgemein unterstützt Brennesseltee
die Entschlackung und Ausscheidung
von Giften, wirkt blutreinigend sowie gegen Rheumabeschwerden und Ödeme.
Bei Gicht, Rheuma, Erkrankungen der Niere oder Blase, Prostatabeschwerden,
altersbedingten Erschöpfungszuständen
3 Tassen Tee über den Tag verteilt einnehmen
Brennesselwurzel:
Durch den Gehalt an beta-Sitosterin werden Beschwerden einer beginnenden
Prostatahyperplasie, d.h. einer
altersbedingten, gutartigen Großaufnahme der Vorsteherdrüse im Stadium
I und II, gelindert. Rund die Hälfte aller Männer über 60 Jahren sind
davon betroffen. Die Einnahme von Brennesselwurzelpräparaten lindert
die Beschwerden beim Wasserlassen. Die Größe der Prostata bleibt jedoch
unbeeinflusst. Hier findet man ein Rezept für Brennesselwurzeltee
Fußbäder
helfen bei Durchblutungsstörungen,
bei Herzkranzgefäßverengung
macht man Waschungen. Hierfür nimmt man jeweils eine Doppelhand
gut gewaschener und gebürsteter Wurzeln und frische Brennessel(Stengel
und Blätter) und setzt sie über Nacht in 5 Liter kaltem Wasser
an. Am nächsten Tag zum Kochen erhitzen. So warm man es vertragen
kann, 20 Minuten darin die Füße baden. Die Brennesseln bleiben
während des Bades im Wasser. Dieses Bad kann man wiedererwärnt
2 - 3x verwenden
Bei Hexenschuß und Ischias
streicht man mit einer frischen Brennessel ganz leicht
die schmerzenden Stellen ein. Oder man stellt eine Rheumalotion her:
Rheumalotion:
3 Handvoll Brennesselblätter mit 2 Handvoll Schöllkrautblätter
und -blüten und 2 Kohlblättern zerhacken. Alles 48 Stunden in Regenwasser
einweichen danach abfiltern und bei Bedarf örtlich, auf die schmerzende
Stelle auflegen. Haltbarkeitsdauer: einige Tage im Kühlschrank
Als Tinktur kann man sie gegen Haarausfall
in die Kopfhaut einmassieren oder die Beine für eine bessere Durchblutung
einreiben.
Wussten Sie schon, dass man Brennessel auch essen
kann?
Brennesseljauche an Pflanzen
wirkt:
ausgleichend und heilend, wachstumsfördernd, anregend auf die Chlorophyllbildung,
Regenwürmer anziehend, die
den Boden für uns bearbeiten und düngen.
Gegen Blattläuseim Anfangsstadium wirkt ein Brennessel-Kaltwasserauszug
Brennesselsamen:
Interessant ist hier ein Artikel bei http://www.herbal-farm.com/prodbesc.htm,
wonach Brennesselsamen im Futter Feuer in die Muskeln von Pferden und
Glanz ins Fell bringt. Im Hühnerfutter sollen sie für mehr
Eier sorgen. Ebenso eignen sie sich als Zugabe für Vogelfutter.
Auch für den Menschen sollen Brennesselsamen eine wertvolle Beigabe
im Müsli sein.
Hinweis:
Brennessel ist die Wirtspflanze von 35 bis
40 Schmetterlingsraupenarten. Brennesseln in der Nähe
von Schmetterlingssträuchern erhalten eine bunte Schmetterlingswelt.
Zu den Schmetterlingen die ohne Brennesseln aussterben würden zählen
unter Anderem:
Admiral,
C-Falter,
Kleiner
Fuchs, Landkärtchen,
und Andere.
Zu den Schmetterlingen die sich unter Anderem als Raupe von Brennesseln
ernähren gehören unter Anderem:
Distelfalter,
Tagpfauenauge,
Brauner
Bär, und Andere
Nebenwirkungen:
Brennesseln dürfen nicht angewandt werden, wenn die Wasseransammlungen
im Körper auf eine eingeschränkte Herz- oder Nierentätigkeit zurückzuführen
sind. Mögliche Nebenwirkungen sind: Magenreizungen oder Hautbrennen
am ganzen Körper.
Geschichtliches:
Die Heilwirkung der Brennessel war im Altertum schon den Griechen bekannt.
Schon die Kräuterbücher des Mittelalters erwähnen ihre
Heilwirkungen ausführlich. Infolge ihrer brennenden Wirkung spielte
die Pflanze auch im Aberglauben eine nicht unbedeutende Rolle
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Zeichnung: Otto Wilhelm Thomé (1885-1905)
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Bilder mit freundlicher Genehmigung von Kurt
Stübers
Folgende Bilder mit freundlicher Genehmingung von Annette
aus der Kräuterliste
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