Herzgespann
(Leonurus cardiaca L.) Naturschutz!
Synonyme:
Andorn, Cardiaca vulgaris Moench., Engeltrank, Herzgold, Herzkraut,
Herzkräutel, Leonurus campestis Andrz., Löwenschwanz, Wolfskraut,
Wolfsopa
Familie:
Lippenblütengewächse (Lamiaceae (Labiatae))
Namensentstehung:
Vermutlich verdankt diese Pflanze ihren Namen der Anwendung gegen Herzklopfen
Beschreibung:
Der kräftige Wurzelstock des Herzgespann ist dicht bewurzelt und
dauerhaft. Aus ihm treiben mehrere hohle, vierkantige und gerillte Stengel,
die oft rötlich-violett und bis zu einem Meter hoch sind. Die 7
- 14 cm langen, dreispaltigen Blätter sitzen an bis zu 4cm langen
Stielen und sind meist beiderseits weich behaart und etwas herabhängend.
Die in dicht übereinander sitzenden Scheinquirlen angeordneten
Blüten sind fleischrosane Lippenblüten, deren Oberlippe aussen
dicht mit weissen Haaren besetzt sind, während die Unterlippekürzer
ist und aus 3 braunrot gezeichneten Lappen besteht. Die Pflanze riecht
scharf und etwas unangenehm.
Verwechslung:
Die Blätter und Erscheinung ähnelt leicht dem Wermut
oder dem Beifuß, die Blütenanordnung
der roten Taubnessel.
Blütezeit:
Juni - September
Vorkommen:
Früher in Bauerngärten, heute vereinzelt auf Schutt, an Zäunen
und Hecken, auf trockenen Weiden und am Rande von Dorfwegen
Verbreitung:
Gemäßigtes Asien, Mittelskandinavien bis zum Mittlmeer, selten
südlich der Alpen
Sammelgut und Zeit:
Kraut: Juli - September (Leonuri cardiacae herba)
Sammelvorschrift:
Die oberirdischen Teile werden während der Blütezeit abgeschnitten
(immer unten die etwas herberen Teile stehenlassen damit es wieder treiben
kann) und gebündelt an einem trockenen und schattigen Ort zum Trocknen
aufgehängt. Die Droge ist geruchlos und schmeckt zusammenziehend,
herb und bitter.
Zu den Hinweisen zum Sammeln
und Trocknen
von Kräutern.
Inhaltsstoffe:
Bitterstoffe, wenig ätherisches Öl, geringe Mengen Alkaloide
(Stachydrin, Betonicin und Leonurin), Flavonoide, Weinstein-, Apfel-,
und Zitronensäure, Phosphorsäure, Kalium, Calcium, Harze
Anwendung:
Im Vordergrund der Anwendungen liegen folgende Beschwerden: Hitzewallungen,
nervöse Unruhe, Atemnot, Herzklopfen, Angstzustände,
starke Kopfschmerzen. Ferner wird Herzgespann angewendet bei
Blähungen des Magens und Beschwerden an Magen und Darm.
Herzgespann wirkt herzstärkend wenn man ihn mit Baldrian
und Weißdorn mischt. Einige Teemischungen mit Herzgespann finden
Sie bei den Teerezepten.
Für einen Tee nimmt man 1 gehäuften oder 2 gestrichene Teelöffel
getrocknetes Kraut, übergießt es mit 1/4 l kochendem Wasser
und seiht nach 10 Minuten ab. Hiervon trinkt man bei Bedarf 1 Tasse
oder als Kur über einen Zeitraum von 2 - 4 Wochen 2-3x täglich
eine Tasse ungesüßt und schluckweise.
Die Volksheilkunde verwendet Herzgespann als stärkenden,
belebenden, anregenden Tee der gleichzeitig beruhigt.
Er soll auch gegen Würmer wirken. Die Wissenschaft spricht
dem Herzgespann auch eine positive Wirkung gegen den Kropf nicht
ab, obwohl hier dem Wolfstrapp der Vorzug gegeben wird. Ferner wird
Herzgespann gegen Menstruationsbeschwerden, Enbrüstigkeit,
Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Verschleimung der
Atmungsorgane und Delirium tremens (Säuferwahnsinn)
verwendet. Im letzten Fall wird tatsächlich von Heilerfolgen bereichtet.
Nebenwirkungen:
In therapeutischen Dosen sind keine Nebenwirkungen bekannt. Bei starker
Überdosierung sind Bauchschmerzen, Erbrechen, blutiger Stuhl und
unstillbarer Durst möglich
Geschichtliches:
Dioskurides und Theophrast verwendeten Herzgespann nur als Magenmittel,
erst später wurde die Pflanze auch als Herzmittel gepriesen.
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Zeichnung: Otto Wilhelm Thomé
(1885-1905)
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Bilder mit freundlicher Genehmigung von
Kurt Stübers
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