Blutwurz, Tormentill
(Potentilla erecta)
Synonyme:
Bauchwehwurz, Birkwurz, Blutbrech, Blutkraut, Blutwurz, Buchwehwurzen,
Christuskrone, Dermendill, Düwelsabbiß, Fingerkraut, Mooreckel,
roter Günsel, Rotwurz, Ruhrwurz, Tarpentill, Turmentill, Tormentill,
Tormentilla, Tormentilla Erekta L.
Familie:
Rosengewächse (Rosaceae)
Namensentstehung:
Wahrscheinlich wegen der blutroten Farbe des Wurzelstockes wird die
Pflanze Blutwurz genannt.
Beschreibung:
Bis zu 50cm hohe Pflanze. Überwintert mit schwarzbraunem, fingerdickem
Wurzelstock, der sich auf der frischen Schnittfläche gelblichrötlich,
im Alter blutrot färbt. Meist kommen mehrere Stengel aus dem zwei-
bis mehrgablig verzweigten Wurzelstock, die bei kräftigen Exemplaren
in der Regel in einem Kreis stehen. Die äußeren Stengel liegen
nieder, die inneren sind aufsteigend, die innersten aufrecht. Die etwa
10mm breiten, gelben, am Grund etwas dunkleren Blüten stehen auf
langen, dünnen, Stielen mit weichen Haaren. Da die Pflanze sehr
vielgestaltig ist, werden einige Varietäten und Formen unterschieden.
Verwechslung:
Mir nicht bekannt
Blütezeit:
Juni bis August
Vorkommen:
Die verbreitete Pflanze wächst vom Tiefland bis bis über 2000m.
Verbreitung:
Die Blutwurz ist in Europa von den Azoren und Shetlandinseln im Westen
bis Nordskandinavien im Norden und im Süden von Portugal über
Mittelspanien und Italien bis zur Balkanhalbinsel verbreitet. Weiter
östlich kommt sie über den Kaukasus und Ural bis nach Asien
vor.
Sammelgut:
Wurzelstock (Rhizoma Tormentillae)
Sammelzeit:
März - April und September - Oktober
Sammelvorschrift:
Die Wurzelstöcke der Blutwurz lassen sich recht gut aus dem Erdreich
herausheben, weil die Pflanze lockeren Boden bevorzugt. Nach dem Entfernen
werden sie gewaschen und zum Vortrocknen in dünner Schicht ausgelegt
oder auf Schnüre gereiht und dann bei leichter künstlicher
Wärme nachgetrocknet. Die Droge ist geruchlos und hat einen herben,
zusammenziehenden Geschmack.
Zu den Hinweisen zum Sammeln
und Trocknen
von Kräutern
Inhaltsstoffe:
Der Wurzelstock der Blutwurz enthält bis zu 20% Gerbstoffe, Tormentillrot,
Tormentol, weiterhin organische Säuren, Harz und Gummi.
Anwendung:
Aufgrund des hohen Gerbstoffgehaltes verwendet man die Droge bei Magen-
und Darmkatarrhen oder für Spülungen bei entzündlichen
Prozessen im Mund- und Rachenraum. Innerlich genommen werden
sie bei akuten, unspezifischen Durchfallerkrankungen
eingesetzt. In der Technik dient sie auch als Gerbmittel
und zur Tintenfabrikation.
Bei Blähungen und Durchfall
als Tee, bei Entzündungen
in Mund und Rachen als Gurgelmittel,
bei Frostbeulen als Umschlag, bis
zu 3 Tassen Tee über den Tag verteilt einnehmen. Zum Gurgeln, Spülen
und als Umschlag unverdünnt als Blutwurzgeist
verwenden.
Nebenwirkungen:
Während Schwangerschaft oder Stillzeit nicht ohne Nachfrage beim
Arzt innerlich anwenden!
Zubereitungen aus dem Blutwurzwurzelstock können zu Magenbeschwerden
führen. Bei Einnahme über längere Zeit oder in höheren
Dosen kann eine Schädigung, der Nieren oder Leber nicht ausgeschlossen
werden.
Wechselwirkungen:
Die Wirksamkeit anderer, gleichzeitig eingenommener Arzneimittel kann
durch die Einnahme gerbstoffhaltiger Zubereitungen vermindert werden!
Daher sollten solche Medikamente min. 2 Stunden vor der Einnahme der
gerbstoffhaltigen Zubereitung angewendet werden.
Geschichtliches:
Schon im Altertum verwendete man die Blutwurz als Heilpflanze. Die Hippokratiker
kannten bereits ihre Wirkung. Auch während des Mittelalters wurde
sie häufig verordnet, geriet jedoch später, als die Ratanhiawurzel
bekannt wurde, in Vergessenheit. Als im ersten Weltkrieg diese Droge
nicht mehr geliefert wurde, erinnerte man sich wieder der Blutwurz.
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Zeichnung: Otto Wilhelm Thomé (1885-1905)
Bild mit freundlicher Genehmigung von
Kurt Stübers
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