Ackergauchheil
(Anagallis arvensis L.) Nebenwirkungen beachten!
Blauer Gauchheil
(Anagallis coerúlea)
Synonyme:
Ackergauchheil: Blutstropfen, Faules Lieschen, Feldgauchheil, Gauchblume,
Geckenheil, Heil aller Welt, Hühnertritt, Kollmannskraut, Kolmarkraut,
Mäusedarm, Roter Meier, Rote Miere, Nebelpflanze, Neuneblümle,
Sperlingskraut, Vernunftkraut, Weinbergstern, Wetterkraut
Blauer Gauchheil: Blaue Miere, Faules Lieschen
Familie:
Primelgewächse (Primulaceae)
Namensentstehung:
Mit "Gauch" wurden früher geisteskranke Menschen bezeichnet.
Griechisch "anagallomai" = "Ich prahle nicht"
Beschreibung:
Bei allen folgenden Beschreibungen handelt es sich um den Ackergauchheil, nicht um den blauen Gauchheil!
Der Stengel ist 4-kantig, meist niederliegend, ausgebreitet ästig
und wird 7 - 25 cm lang. Die Blätter sind sitzend, länglich-eiförmig,
gekreuzt gegenständig oder zu 3 im Quirl und unterseits schwarz
punktiert. Die Blüten haben lange Stiele, sind einzeln blattachselständig,
mit 5 lanzettlichen Kelchzipfeln, die etwas kürzer sind als die
randförmige Blumenkrone mit ganz kurzer Röhre und 5 rundlichen
Zipfeln. Beim Ackergauhheil sind die Blüten dicht drüsig gewimpert,
zimmober- oder mennigrot, am Grunde blutrot.
Beim Blauen Gauchheil sind
sie fast drüsenlos und satt himmelblau mit purpurnem Grunde. Beide
haben 5 Staubgefäße. Die Blüten schließen sich
über Mittag.
Ackergauchheil ist geruchlos und schmeckt scharf, schleimig und bitter
Verwechslung:
Mit der Vogelmiere wenn sie nicht blüht.
Blütezeit:
Mai - Oktober
Vorkommen:
Acker- und Gartenland, Lehmboden, selten kalkreiche Lehmböden.
Verbreitung:
Ursprung vermutlich Südeuropa, inzwischen global verbreitet.
Sammelgut:
Kraut
Sammelzeit:
Juni - Oktober
Sammelvorschrift:
Das Kraut wird oberirdisch abgeschnitten und vor allem frisch verwendet. Zum trocknen werden die Kräuter vorsichtig im Halbschatten getrocknet und in Papiersäcken aufbewahrt. Wurzeln für homöopathische Anwendungen reinigen und trocknen
Inhaltsstoffe:
Giftige Saponine (in der Wurzel Cyclamin), Curcubiacine, Bitterstoffe,
Gerbstoffe, Flavonoide, ätherisches Öl
Anwendung:
Die Schulmedizin verwendet den Gauchheil nicht. Auf Grund der Nebenwirkungen
sollte man gut abwägen, ob für den erwünschten Heilerfolg bei innerlicher Anwendung
nicht noch eine andere Pflanze zur Verfügung steht.
Früher wurde der Ackergauchheil gegen sehr viele Erkrankungen
verwendet. Tollwut, Fallsucht, Drehkrankheit bei
Schafen. Sämtliche unten aufgeführten Anwendungen stammen irgendwann
aus dem Mittelalter oder von noch früher.
Gauchheil in Wein gesotten soll gegen alle giftigen Wunden und Stiche
wirken. Dafür trinkt man den in Wein gekochten Ackergauchheil und
wäscht damit auch die Wunde aus. Das wurde sogar bei Bissen
tollwütiger Tiere gemacht.
Ackergauchheil soll Nierensteine lösen, die Leber
öffnen und gegen Wassersucht helfen. Eine Aufkochung als
Umschlag auf Wunden oder Geschwüre gelegt, soll Wundschmerz
lindern, sie säubern und schneller heilen lassen. Bei frischen
Wunden soll dieser Umschlag Entzündungen vermeiden.
Dieser Umschlag soll auch Splitter und Dornen austreiben (Zugsalbe),
wobei man hier auch mal ausprobieren kann, ob der Frischsaft dafür
nicht besser ist.
Bei akutem Husten und Asthma kann man 1 - 2 Tassen Tee über den
Tag verteilt trinken und Brustumschläge mit dem Tee machen. Herfür
nimmt man 1 Teel. getrocknetes Kraut, übergießt mit 1/4 Liter
kochendem Wasser und läßt 10 Minuten abgedeckt ziehen.
Der Frischsaft soll antiviral wirken und Zahnschmerzen
lindern, Warzen entfernen und mit Honig gemischt als Auflage
auf die Augen, soll er trübe Augen klar werden lassen.
Der Name der Pflanze deutet auf eine Verwendung bei Geisteskrankheiten
hin, allerdings habe ich nur Hinweise gegen Epilepsie und Depressionen
finden können. Eher unwahrscheinlich aber möglich daß
die Drehkrankheit bei Schafen damit gemeint ist.
Auszug aus dem Hunnius, Pharmazeutisches Wörterbuch von Sept.
2004: Anwendung volkstümlich: bei schmerzhaften Erkrankungen der Leber
und Niere, schlecht heilenden Wunden; in der ayurvedischen
Medizin bei Menstruationsstörungen; in Taiwan bei Schlangenbissen
Hom: Anagallis arvensis (HAB 1.5): frische, blühende Pflanze bei Hautausschlägen,
Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.
Verwendet wird das frische Kraut in Form von Tinkturen, Preßsäften
und Flüssigextrakten, oder getrocknet als Aufguß
Tiermedizin
Über die Anwendung bei Drehkrankheit bei Schafen hab ich leider
noch nichts genaueres herausfinden können, ausser, dass halt in
einem Kräuterbuch von 1914 erwähnt wurde, dass in einem noch
älteren Kräuterbuch darauf aufmerksam gemacht wurde.
Nebenwirkungen:
In größeren Mengen innerlich angewendet, verursacht er Durchfälle, Übelkeit
und Erbrechen und die Wahrscheinlichkeit einer Nierenschädigung
ist groß. Allergische Reaktionen über Hautkontakt sind möglich.
Geschichtliches:
Ackergauchheil findet in uralten Kräuterbüchern viel Anklang,
wird oft erwähnt und wird hoch gepriesen, aber in einem Kräuterbuch
"Kräuterbuch - Unsere Heilpflanzen in Wort und Bild Friedrich Losch
1914" wird schon gesagt, daß Ackergauchheil wegen seiner
Nebenwirkungen nicht mehr verwendet wird.
Quellen:
Die
Kräuter in meinem Garten, andere nicht mehr nachvollziehbare
Quellen und eigene Zettelwirtschaft.
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Zeichnung: Ludwig Klein
(1926)
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Zeichnung mit freundlicher Genehmigung von Kurt
Stübers
Folgende Fotos unterliegen dem Copyright
von L. B. Schwab
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